|
Milch ist ein ganz besonderer Saft. Denn Milch
enthält neben Wasser alle Nährstoffe, die zum Aufbau und
zur Erhaltung des Körpers nötig sind:
- Fett in Form von Milchfett
- Eiweiß als Milcheiweiß
- Kohlhydrate hauptsächlich als Milchzucker
- Mineralsalze als Milchsalze und Vitamine.
Milch
ist somit eine Emulsion feinster Fettkügelchen in einer Lösung
aus Wasser und den anderen Milchbestandteilen. Indes, Milch ist
nicht gleich Milch. Ob die Kuh im alpenländischen Isarwinkel
oder in den Marschen hinter der Nordsee, auf den Weiden in Thüringen
oder in Mecklenburg gegrast hat, ob sie am Abend oder am Morgen
gemolken wurde, welche Jahreszeit herrscht das alles und
noch manches andere spielt eine Rolle für die Zusammensetzung
von Milch. Die Analyse
der Milch steht deshalb am Anfang jeder Käseherstellung.
Alle Bestandteile der Milch finden sich auch im Käse wieder.
Sie sind außerdem ein geeigneter Nährboden für Mikro-Organismen
der verschiedensten Art, sowohl nützlichen als auch verderbnis-
und krankheitserregenden. Um solche auszuschalten, muss die Milch
vor der Verarbeitung bearbeitet werden. Im Hinblick auf die Keime
heißt das vor allem: pasteurisiert werden.
Die nützlichen Mikroorganismen sollen allerdings nicht vernichtet
werden, denn sie verrichten wichtige Tätigkeiten beim Herstellungsprozess
von Käse, insbesondere von dessen letzter Stufe, beim Reifen.
Doch gehen wir der Reihe nach vor uns skizzieren wir kurz die einzelnen
Stufen der Käseherstellung.
Im
Prinzip einfach, in der Praxis ziemlich kompliziert
Die Herstellung von Käse beruht im Prinzip auf einem Vorgang,
den sicher jeder schon einmal beobachtet hat: Wenn Milch sauer wird
und gerinnt, dann scheidet sich die Käsemasse von der dünnflüssigen
Molke. So einfach das aussehen mag die Käseherstellung
in den Käsereien ist wesentlich komplizierter und verlangt
viel Erfahrung. Es gibt heute etwa 50 verschiedene Grundverfahren
der Käseherstellung. Deshalb sollen hier nur die wichtigsten
Stufen erklärt werden.
Gerinnung

Grundlage der Käseherstellung ist - wie schon gesagt - die
Gerinnung des Milcheiweißes, des Kaseins. Dabei gibt es zwei
Möglichkeiten: Die Milch wird entweder durch Säuerung
mit Hilfe von Milchsäurebakterien oder durch
Zusatz von Labfermenten zum Gerinnen gebracht. Man spricht bei diesem
Vorgang auch von Dicklegen. Je nachdem, welches Verfahren angewendet
wird, entsteht Sauermilchkäse oder Labkäse. Man kann auch
beide Verfahren kombinieren, was in der modernen Käsereiwirtschaft
oft der Fall ist.
Säuregerinnung
Die Säuregerinnung der Milch wird wie erwähnt
durch Milchsäurebakterien ausgelöst. Das sind Kleinlebewesen,
die in vielfältigen Formen und großer Zahl in allen organischen
Stoffen vorkommen. Setzt man diese Milchsäurebakterien der
Milch zu, finden sie da einen idealen Nährboden, auf dem sie
sich bei entsprechenden Temperaturen sehr schnell vermehren. Zunächst
wandeln die Mikro-Organismen den Milchzucker teilweise in Milchsäure
um, die dann wiederum das Milcheiweiß gerinnen lässt.
Das Ausflocken des Milcheiweißes in diesem Fall Kasein
zu einer gallertartigen Masse, dem sogenannten Bruch, bezeichnet
man als Koagulation.
Labgerinnung
Bei der Labgerinnung wird der Milch Lab zugesetzt. Das ist ein
Enzym oder Ferment, das aus der Schleimhaut von Kälbermägen
gewonnen wird. Das Kasein gerinnt also bei dieser Methode ohne Säureeinwirkung,
nur aufgrund des Labzusatzes
Gerinnungszeit
Wie schnell die Milch gerinnt, richtet sich nach der Menge der
zugesetzten Milchsäurebakterien bzw. Labfermente und der Temperatur
der Milch. Die Gerinnungszeit ist je nachdem, welche Käsesorte
hergestellt werden soll sehr unterschiedlich und kann zwischen
20 Minuten und mehreren Stunden betragen.
Trennung
von Molke und Käsestoff
Wenn die Gerinung abgeschlossen ist, muss die Molke vom Käsestoff
getrennt werden. Um diesen Vorgang zu beschleunigen, wird die gewonnene
Käsemasse geschnitten - diesen Vorgang nennt man Bruchschneiden.
Durch die dabei erzielte Oberflächenvergrößerung
kann die Molke schneller aussickern. Die rohe, weiche und plastische
Käsemasse (=der Bruch) wird je nach Art des gewünschten
Endproduktes unterschiedlich weiterbehandelt.
Eine Ausnahme stellt der Sauermilchkäse dar wie beispielsweise
"Stozn" oder "Steirer Käse" (Graukäs).
Er wird nicht aus der Bruchmasse hergestellt: Bei ihm ist das Ausgangsprodukt
vielmehr Quark Sauermilchtopf'n oder eine Mischung von Sauermilch-
und Labtopf'n, und zwar Magertopf'n.
Neben dem Gerinnen und Bruchschneiden gibt es noch drei weitere
Produktionsstufen, die von fast allen Käseprodukten durchlaufen
werden:
Ausformen
Neben
dem Bruchschneiden bleibt die Käsemasse natürlich noch
ein Bruch-Molke-Gemisch und wird entweder von Hand oder über
Dosiereinrichtungen in Formen gefüllt, die denen entsprechen,
die der Käse später haben soll. Diese Käseformen
sind aus Holz, Plastik oder Metall. Die Molke kann daraus im Verlauf
von mehreren Stunden ablaufen, teilweise auch unter Anwendung von
Druck auf die Käsemasse.
Eine Ausnahme bildet der Frischkäse: Hier wird die Molke
durch Zentrifugieren entfernt, und die verbleibende, pastenförmige
Käsemasse kann nach entsprechender Weiterbehandlung direkt
in die Endverpackung gefüllt werden.
Welches Verfahren auch dabei verwendet wird: Die Molke wird
und soll auch nicht hundertprozentig aus dem Käsestoff
entfernt werden. Je nachdem, wieviel Molke noch in der Käsemasse
verbleibt, erhält man härtere oder weichere Käse
vom Emmentaler bis zum Quark.
Salzen

Hat die Käsemasse eine entsprechende Stabilität erreicht,
wird sie aus den Formen genommen und zwischen einer Stunde und mehreren
Tagen in ein Salzbad gebracht. Das geschieht, um den Salzgehalt
in der Käsemasse anzuheben (je nach Sorte auf ein und acht
Prozent). Denn der Salzgehalt fördert bei Hartkäsen die
Rindenbildung und ist darüber hinaus bei allen Käsesorten
mitverantwortlich für den Geschmack und die Haltbarkeit.
Auch Käse
braucht sein Reifezeugnis 
Mit einer Ausnahme und das ist der Frischkäse: Für
ihn ist der Herstellungsvorgang mit dem Ausformen beendet. Alle
anderen Käse aber brauchen ihre Zeit der Reife. An die Reifungsbedingungen,
und das sind vor allem Temperatur und Feuchtigkeit in den speziellen
Reifungsräumen, stellen die verschiedenen Käsegruppen
und -sorten unterschiedliche Anforderungen. Sie sind im wesentlichen
abhängig von dem Gehalt des Käses an Trockenmasse, von
der Vorbereitung der Milch und der Bearbeitung des Käsebruchs.
Grundsätzlich gilt: Je
länger die Reifezeit, die ein Käse benötigt, desto
haltbarer und fester ist er . Unser Käse reift im konstant
feuchten und gleichtemperierten Naturkeller.
Reifen bedeutet aber nicht nur, den Käse in den Räumen
mit bestimmter Temperatur und Feuchtigkeit zu lagern. Zusätzlich
werden viele Käsesorten zwei- bis dreimal in der Woche mit
Wasser oder Salzlake abgerieben.
Diese
Behandlung dient zwei Zwecken: Zum einen soll die "Schmierenbildung"
auf der Oberfläche gefördert werden zum Beispiel
beim Limburger oder Tilsiter die ihrerseits die charakteristische
Reifung der Käsesorte beeinflusst. Zum anderen soll das Aufkommen
von unerwünschten Schimmelpilzen auf der Rinde verhindert werden.
Der Verlauf des Reifungsprozesses ist bei den verschiedenen Käsesorten
unterschiedlich. Während Hart- und Schnittkäse in ihrer
gesamten Masse reifen, schreitet bei Weichkäse (wie Camembert
und Brie) die Reifung von außen nach innen voran. Ein weißer
Kern im Inneren des Käses zeigt an, dass der Reifungsprozess
noch nicht abgeschlossen ist.
Das gilt jedenfalls für die Weichkäse mit Weißschimmel,
die den traditionellen Herstellungs- und Reifungsprozess mitmachen.
Einmal in Gang gesetzt, läuft die Reifung bei ihnen schnell
ab. Die Hersteller haben nun versucht, Methoden zu finden, die den
Reifungsprozess verlangsamen. Das Ergebnis sind Weichkäse,
die mit lang andauernder Ideal-Reife bereits in die Läden kommen.
Die gewollte Verlangsamung des Reifungsprozesses ist das Ergebnis
eines ganzen Maßnahmenbündels, zu dem die Verwendung
anderer Pilzkulturen, eine andere Art des Bruchschneidens und spezielle
Reifungsbedingungen gehören.
Die
Dauer der Reifezeit beträgt je nach Käsesorte Tage, Wochen,
Monate. Am längsten ist sie bei Hartkäse, z. B. beim Emmentaler:
Er muss mindestens drei Monate gelagert haben. Für Spitzenqualitäten
wird diese Lagerzeit jedoch nicht selten weit übertroffen.
Während der Reifezeit laufen im Käse verschiedene biochemische
Vorgänge ab. Enzyme bauen die wichtigsten Bestandteile des
Käses Kasein, Fett, Milchzucker ab und formen
sie um. Das ist im übrigen nicht mit einer Zersetzung zu verwechseln.
Im Gegenteil, dieser Vorgang trägt dazu bei, unerwünschten
Bakterien den Nährboden zu entziehen.
Während der Reifung entstehen übrigens auch die Löcher
im Käse: Einige Teile des Milchzuckers und der Milchsäure
unterliegen Gärungsvorgängen; dabei bilden sich mit Hilfe
von Bakterien Kohlensäuregase und zwar als Stoffwechselprodukte
der Bakterien. Diese Kohlensäure kann aus der Käsemasse
nicht entweichen und formt Blasen im Käse-Inneren. Beim Aufschneiden
des Käses werden diese Blasen dann als Löcher sichtbar.
Bei allen Weichkäsesorten mit Weißschimmel, wie Camembert
und Brie, aber auch bei den Blue-Varianten wird der Milch oder der
rohen Käsemasse essbare Schimmelkultur beigegeben, damit die
gewünschte Schimmelbildung erreicht wird.
Um bei Edelpilzkäse (Roquefort oder Gorgonzola) die Schimmelbildung
auch im Käse-Innere zu erzielen, wird der Käse nach etwa
dreitägiger Lagerung mit Nadeln durchstochen, um den für
das Wachstum notwendigen Sauerstoff zuzuführen.
Schließlich noch ein Wort zum Schmelzkäse. Er ist ein
Erzeugnis, das aus fertigem Naturkäse hergestellt wird
durch Schmelzen unter Verwendung von Wärme wie auch Schmelz-Salzen.
Schmelzkäse ist also geschmolzener, reiner Käse
Hart-, Schnitt- oder Weichkäse. Die Vorteile, die daraus resultieren:
Gleichbleibender Geschmack, stabile Konsistenz und lange Haltbarkeit,
weil durch den Schmelzprozess die Reifung gestoppt wird; und dazu
besonders gute Bekömmlichkeit.

|